Mythos Ei – Cholesterinbombe oder doch gesundes Lebensmittel?

„Das weiß ein jeder, wer’s auch sei, Gesund und stärkend ist das Ei“ (Wilhelm Busch: Der Geburtstag oder die Partikularisten – Kapitel 4).
Der Ruf des Hühnereis ist selten ein solch guter, wie in der Bildergeschichte des Dichters Wilhelm Busch beschrieben.

Der gesundheitliche Wert von Eiern wird oft im Zusammenhang mit Cholesterin diskutiert – und das ist ja ungesund, oder?

Wir Österreicher konsumieren im Durchschnitt 235 Eier pro Kopf pro Jahr (2016). Oft nicht immer in der klassischen Form des weichgekochten Frühstückseis – wir nehmen Eier auch in verarbeiteten Speisen wie Aufläufe, Strudel, Süßspeisen und Teigwaren zu uns. In einer Woche wären das rund 4-5 Eier die auf unseren Tellern landen.

 

Wichtige Nährstoffe

Eine Vielzahl an Nährstoffen verbergen sich im Inneren des Hühnereis. Eiweiß, Fettsäuren und zahlreiche Vitamine sowie Mineralstoffe machen das Ei zu einem wertvollen Lebensmittel.
Zudem enthält ein Hühnerei der Große M, mit einem Gewicht von 58g und einem Energiegehalt von rund 90 kcal, 230 mg Cholesterin.

 

Cholesterin: gut oder böse?

Cholesterin, oft fälschlich als schlecht und schädlich dargestellt, ist ein wichtiger Bestandteil unseres Körpers. So wichtig, dass wir Cholesterin sogar selbst herstellen. Täglich werden daher bis zu 700 mg davon in der Leber produziert.
Ohne Cholesterin wären unsere Zellenwände nicht komplett und die Herstellung wichtiger Hormone und Enzyme würden maßgeblich darunter leiden. Daher benötigt unser Körper Cholesterin, damit der Stoffwechsel einwandfrei funktionieren kann.

Befindet sich allerdings zu viel Cholesterin in unserem Körper, hat das negative Auswirkungen auf unser Herz-Kreislauf-System. Kommt zu den hohen Cholesterinwerten im Blut noch ein Bewegungsmangel hinzu, sind ernstzunehmende Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt mögliche Resultate.
Die Diagnose lautet dann Hypercholesterinämie, mit Cholesterinwerten über 200 mg/dl im Blut. Isoliert betrachtet hat dieser Wert jedoch wenig Aussagekraft. Eine korrekte Diagnose kann nur mit gesamten Lipidstatus (Blutuntersuchung) sowie einer exakten Anamnese des Lebensstils erfolgen.

Durch die negativen Auswirkungen eines hohen Cholesterinspiegels im Blut und Eiern als Cholesterinlieferanten, wissen wir nun also, wieso Hühnereier in Verruf geraten sind. Doch wie bedenklich ist nun der Verzehr und wie viel ist „nicht zu viel“?

 

Bomben Entschärfung

Ein hoher Cholesterinspiegel kann im Zusammenhang mit einem übermäßigen Konsum an tierischen Produkten stehen. Bei vielen Personen sind hohe Cholesterinspiegel auch erblich bedingt. Eine cholesterinarme Ernährung sorgt dann zwar eventuell nicht dafür, dass die Werte wieder im Normalbereich landen, allerdings sorgt sie auf jeden Fall dafür, dass die Werte nicht noch weiter ansteigen.

Cholesterin findet sich in jedem tierischen Produkt: Fleisch, Wurstwaren, fettreiche Milchprodukte, tierische Fette wie Butter oder Schmalz. Durch einen hohen Konsum an tierischen Produkten, wird dem Körper also ständig Cholesterin zugeführt. Der alleinige Konsum von Eiern, fällt dabei nur sehr gering ins Gewicht.

Daher gilt der Verzehr von bis zu einem Ei pro Tag für gesunde Erwachsene, im Rahmen einer pflanzenorientierten Mischkost, als absolut unbedenklich.
Eine Ausnahme stellen Diabetiker dar. Ihnen wird aufgrund ihrer Stoffwechselsituation empfohlen ihren Eierkonsum einzuschränken. Für konkrete Aussagen diesbezüglich, bedarf es allerdings noch weiterer Studien.

 

Turning theory into practice

Für diejenigen von euch, die nicht auf’s Hühnerei verzichten wollen, hier ein paar Tipps:

  • Ein generell hoher Konsum tierischer Produkte kann negative Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben – Eier sind dabei nicht die alleinigen Bösewichte
  • Bei gesunden Menschen mit einer vorwiegend pflanzenbasierten Kost, ist der Verzehr von Eiern absolut unbedenklich – es kann sogar bis zu ein Ei pro Tag sein
  • Ballaststoffe, welche reichlich in Gemüse und Vollkornprodukten enthalten sind, können im Magen-Darm-Trakt Cholesterin an sich binden und es wird dadurch nicht in den Körper aufgenommen – also zur nächsten Bretteljause unbedingt eine Hand voll Gemüse und ein gutes Brot dazu essen 🙂

Es gibt also Entwarnung rund ums Ei als Cholesterinbombe. Ist auch gut so – wie unvorstellbar wäre ein Sonntag ohne weichgekochtes Frühstücksei?! 😉

 

 

Deine Diätologin,
Andrea

 

 

Cholesterin (2017). Download vom 2.2.18, von http://flexikon.doccheck.com
Egg consumption in relation to risk of cardiovascular disease and diabetes: a systematic review and meta-analysis. (2013). The American Journal of Clinical Nutrition, 98 (1). Doi: 10.392/ajcn. 112.051318. Download vom 2.2.18, von https://www.ncbi.nlm.nih.gov
Entwicklung des Pro-Kopf-Verbrauches von Eiern in Österreich (in Stück). Statistik Austria. Download vom 2.2.18, von https://amainfo.at
Die große GU Nährwert-Kalorien-Tabelle. (2012). Elmadfa, I., Muskat, E., Fritzsche, D.

 

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